Aufruf zur Entschleunigung

1994 erfasste eine Studie die Gehgeschwindigkeit von Menschen in Großstädten. Es wurde die Zeit gemessen, die Menschen benötigen, um 20 Meter zurückzulegen. Damals benötigte man für diese Strecke 13,76 Sekunden.

2007 wiederholte der amerikanische Psychologe Richard Wiseman unter gleichen Bedingungen den Versuch mit dem Ergebnis, dass sich die Geschwindigkeit um 10% auf 12,49 Sekunden erhöht hatte.

In Singapur war man Weltspitze mit 10,55 Sekunden.

Diese Beschleunigung betrifft nicht nur die Gehgeschwindigkeit, sondern beeinflusst unser ganzes Leben. Unsere Arbeitsplätze werden immer dichter, 24/7 ist der Inbegriff des Servicegedankens, zur großen Freude der VerkäuferInnen dürfen wir auch am Wochenende einkaufen, unseren Urlaub begleitet oft das Diensthandy.

Die Fallzahlen an psychischen Erkrankungen gehen in den letzten Jahren durch die Decke und sind dabei, die Erkrankungen des Bewegungsapparates prozentual zu überholen.

Im Fitnessstudio werden unterdessen Trainings angeboten, bei denen man sich fragt, ob die wirklich noch ernst gemeint sind und warum sich Leute so ein hartes Programm antun. Ist das wirklich noch gesund?

Das fängt bereits beim Aufwärmen an. Früher saß man auf dem Trimmrad, heute muss es der Crosstrainer sein, mit dem man gleichzeitig die Arme und Beine bewegen muss. Oder man rennt auf dem Laufband auf der Stelle. Im menschlichen Hamsterrad.

Später beim Training ist es total out, nur noch einzelne Muskelgruppen zu trainieren. Heute muss beim Cross fit oder beim TRX-Training immer der ganze Körper gleichzeitig ran. Im Kursraum darf man sich beim HIIT bis an den Rand der Leistungsfähigkeit treiben lassen. Warum? Um die Trainingseffekte zu verdichten, mehr Umsatz in geringerer Zeit? Aber was macht man dann mit der gewonnenen Zeit im Anschluss?

Hoffentlich etwas Sinnvolles. Dafür ist man aber wahrscheinlich zu geschafft.

Ich halte das für den falschen Ansatz. Die Zeit, die ich mit Puls 160 und rotem Gesicht auf dem Crosser im Flimmerlicht der Monitore verbringe und mit verbrauchten 447 kcal wieder verlasse, ist meine Lebenszeit. Diese Ressource ist begrenzt und das Trainingsergebnis noch nicht mal eine Tafel Schokolade wert.

Wir verkaufen unsere Lebenszeit deutlich zu billig, noch schlimmer, wir zahlen noch einen monatlichen Beitrag drauf, damit wir die Bewegung nachholen können, die unser Beruf uns nicht mehr bietet.

Viel gesünder wären stattdessen moderate Bewegungseinheiten über den Tag verteilt. Aber das ist nicht in jeden Beruf möglich.

 

Ich habe beschlossen, den Kalorientracker auszustellen und nur noch Dinge zu tun, die mich innerlich befriedigen. Natürlich kann das auch Joggen sein. Vor der Arbeit durch den Park zu laufen macht bei schönen Wetter viel Spaß. Und ich arbeite auch gerne an den Geräten im Fitnessstudio, schon allein, weil ich mich noch gut an mein ISG-Syndrom vom letzten Jahr erinnere und präventiv viele Übungen zur Stärkung des Rückens machen möchte. Da muss jeder für sich wissen, was ihm Freude macht.

Ich habe aber zusätzlich für mich das Wandern entdeckt. Eine 4-stündige Wanderung durch Mohnblumenfelder verbraucht übrigens weit über 1000 kcal und tut der Seele wahnsinnig gut. Die Sonne auf der Haut, die Düfte der blühenden Bäume und Sträuche, der Vogelgesang, der weite Blick und hin und wieder kleine überraschende Momente mit Wildtieren. Innehalten an einem schönen Platz. Die Gedanken fließen frei. Das Gehen ist die natürlichste aller Bewegungen. Am Zielort genießt man eine gute Mahlzeit in einem Wirtshaus. Dies sind die schönsten Tage, die in der Erinnerung bleiben.

Am Abend hat man noch die Kraft, ein Buch zu lesen oder einem anderen Hobby nachzugehen.

Wer Lust hat, es auszuprobieren: Ich biete in diesem Jahr noch verschiedene Wanderungen durch die Mark Brandenburg an und werde auch über alle berichten.

Morgen geht es auf den fast höchsten Berg Brandenburgs.

Am langsamsten bewegen sich die Fußgänger übrigens mit 31,60 Sekunden in Blantyre (Malawi).

Nur die Harten kommen in den Garten 

Man hätte es ahnen können – wenn so ein Weg schon mal 666 heißt! Heute mussten wir alles, alles anwenden, was wir in der letzten Woche gelernt haben: Gehen auf Schotter, Nutzung der Wanderstöcke, mit Kräften haushalten, seilversicherte Wege nutzen.

Erst sah alles wieder mal ganz harmlos aus…

Aber na klar, schon bald begann der elende Aufstieg auf Schotter mit einer steilen, seilversicherten Strecke am Ende. Auf dem Plateau konnte man aber durchaus schon erahnen, was für grandiose Blicke auf uns warten würden.

Da wir heute die 3000er Grenze knacken würden, wurde das Gelände schnell karg und kärger.


Aber die Aussicht! Spektakulär!

Vor der zweiten Hütte kam dann der Horror: eine seilversicherte Strecke rund um einen Felsen. Die Hände am Seil, die Füße auf einem Vorsprung, und dahinter der Abgrund! 100m Adrenalin und Stress! Hier gibt’s natürlich kein Foto, sorry…als wir durch waren, war ich heilfroh!

Nach einem Mittagsmahl auf der Hütte gung es dann hinauf auf den Piz Boe mit seinen gut 3100m und einem göttlichen Blick auf die umliegenden Felsformationen. Ergreifend!

Da machte es fast nichts aus, dass der Abstieg wieder sehr anspruchsvoll mit einigen Seilen war…

Fest steht: im nächsten Jahr buche ich wieder eine Tour…aber es ist nichts für schwache Nerven!

Von der Zanser Alm über die Mittagsscharte nach Wolkenstein

Der Tag begann mit einem wunderschönen Spaziergang mit leichter Steigung hin zur Glatschalm.

Da isse, die Hütte auf der Glatschalm:

Weiter ging es durch Wälder, aber auf dem Bild unten ist im Hintergrund schon der große Anstieg des Tages zu sehen: die grüne Schräge. 600 m.

Das hat mich diesmal an die Grenze gebracht und sogar ein Stück drüber. Auf dem folgenden Bild auf ca. 400m ist unten auf der Wiese nochmal die Glatschalm-Hütte zu sehen.

Und das lag zu diesem Zeitpunkt noch vor uns:

Endlich oben! Noch ein Blick zurück!

Oben war es windig und kühl und es gab einen ersten Blick in das Tal dahinter:

Hier sind wir schon im schönen Grödnertal Richtung Regensburger Hütte unterwegs.

Und bis Wolkenstein sind wir dann luxuriös hinabgeschwebt.


Morgen bezwingen wir den 3000er!

Alles ist möglich, liebe Leser! Wenn ich durch die Mittagsscharte komme, kommt ihr überall hin!

Mit eisenharten Waden wünsche ich Euch gute Nacht!

Über die Almen

Beim ersten Anstieg morgens dachte ich, ich kratz ab. Steil wie gemauert, und das 800 Höhenmeter lang. Ich hab dauernd gedacht, dass es regnet, dabei fiel mir mein Schweiß aus der Stirn und endlich oben war ich komplett durchnässt. Irre!

Aber es war die Mühe wert:


Panoramen ohne Ende, einmal herrlichen Käse auf der Hütte und später den Besten Apfelstrudel, den ich jemals gegessen habe.

Und abends nach einem 10-stündigen Wandertag mit insgesamt 1300 Höhenmetern ein schönes Hotelzimmer und ein leckeres 5-Gänge-Menü.

Morgen erwarten uns karge Felsenformationen statt der saftigen Wiesen, 1100 m Auf- und 700 m Abstieg.

Die armen Waden😜

Tausche Kuhglocke gegen Grillengesang

Unser Tag begann nach einem hervorragenden Frühstück beim Garberwirt in Hippach mit der Busfahrt zum Stausee. Im Hintergrund ist mal mehr und mal weniger gut der Gletscher zu sehen.

Das Pfitcher Joch lässt sich gut durchwandern.

Und oben lockt die Ländergrenze zwischen Österreich und Italien.

Wie bestellt klarte sofort das Wetter auf, das Kuhglockengeläut verstummte und stattdessen begleitete uns auf dem Weg ins Tal das Zirpen der Grillen.

In Stein wartete schon das Taxi auf uns und brachte uns nach Brixen.

Ich hatte Südtirol als Urlaubsziel bislang gar nicht so auf dem Schirm, aber hier war ich bestimmt nicht zum letzten mal.

Nach einem hervorragenden Abendmahl im wunderschönen Hotel „Grüner Baum“ schlafen bestimmt alle schon. Nur ich blogge noch😂

Aber morgen erwarten uns 1300m An- und 800m Abstieg. Da muss man erholt sein. Also deshalb: Gute Nacht!

Lizumer Hütte – Zillertal

Ein Glück! Heute konnte ich wieder mitwandern. Morgens hatte ich noch Bedenken, aber es ging dann am Berg ohne Probleme.

Gestartet sind wir im militärischen Sperrgebiet rund um die Lizumer Hütte.

Wieder eine Landschaft, in der man hinter jedem Busch Hobbits und Elfen vermuten würde.

Stattdessen begegneten wir Murmeltieren, die uns viel eher bemerkten als wir sie und die sich mit Pfiffen vor uns warnten.

Im Laufe des Tages schlug dann das Wetter um.


Zum Glück hatten wir den großen Wasserfall vorher passiert, sonst wären wir an dieser Stelle garantiert nicht mehr rüber gekommen.

Innerhalb von 5 Minuten wurde aus aufsteigenden Wolken ein dichter Regenvorhang.


Es schüttete aus Kübeln und auch Hagel war dabei. Gut, dass wir bei den gastfreundlichen Kühen waren und uns ein bisschen unterstellen und umziehen konnten!

Nach einiger Zeit ließ der Regen nach und wir liefen talwärts. Zum Glück hatten alle passende Regenbekleidung eingepackt. Unten im Tal sah der Himmel zwar noch dramatisch aus, aber das schlechte Wetter ist wohl durch.

Morgen queren wir den Alpenhauptkamm. Und schwupps sind wir in Italien *freu*

Joa pascht!

Am Samstag sind wir von München über Garmisch zur Kastenalm gefahren. Von dort aus ging es durch das Lafatschertal Richtung Hallerangeralm.

Hier wohnen die aller-aller-allerglücklichsten Kühe der Welt!

Auch die kleinen Schönheiten darf man nicht missachten.

Ein Pfad, der ohne weiteres ins Auenland führen könnte.


Nach einer Mittagsrast im Gasthaus Halleranger Alm ging es nochmal hoch hinaus auf die Sunntigerspitze. Der Blick: genial!


Leider habe ich mir auf dem Abstieg eine kleine Zerrung im linken Fuß zugezogen. Deshalb habe ich morgens um Acht den Rest der Gruppe ziehen lassen und den Vormittag noch im Liegestuhl auf der Alm verbracht.

Dann kam das Gepäcktaxi und hat mich nach Schwaz gebracht.

Im Örtchen haben die Installateure keine falsche Bescheidenheit:


Und bei so manchem Schild bleibt die Angst, auch wenn man dort einkauft😂:


Aber ansonsten ist es hier charmant:


Leider schlägt jetzt das Wetter ein bisschen um. Morgen werden wir wohl das Regenequipment mit in den Rucksack stecken müssen. Aber wir sind ja auf dem Weg nach Süden😜